Open Source im professionellen Einsatz

Sieben Server mit ungewöhnlicher Bauform im Test

Sieben Zwerge

Klobig, klotzig, laut und schwer: Server gelten nicht gerade als handlich und sind unbeliebte Zimmergenossen. Zu Unrecht, sie können sogar den Schreibtisch zieren.

Moderne Server haben äußerlich kaum noch etwas mit den klobigen Kisten vergangener Jahre gemein. Das Bild hat sich vom Einheitsgehäuse in Einheitsgrau und Einheitsgröße mit etlichen Lüftern hin zu passiv gekühlten Designer-Geräten gewandelt. Gerade bei kleinen Servern für Arbeitsgruppen oder Abteilungen spielen Optik und Geräuschentwicklung eine Rolle: Wer möchte schon ein lärmendes Ungetüm im 19-Zoll-Schrank neben dem Schreibtisch stehen haben? In Rechenzentren sind wiederum Geräte mit hoher Leistung bei geringer Bauhöhe gefragt.

Wir haben sieben Server mit ungewöhnlichen Abmessungen und Formen getestet, vom Radio-Imitat bis hin zur 19-Zoll-Flunder. Bei der Bewertung spielten besonders die Linux-Tauglichkeit der Komponenten, Verarbeitungsqualität und Erweiterbarkeit eine große Rolle.

Bei Workgroup- und Kommunikations-Servern achteten wir zudem auf den Geräuschpegel der Geräte, für die Installation in Büros sollten die Server nicht lauter als ein Standard-PC sein.

Mainboards

Bei kompakten Servern hat sich ein Format durchgesetzt, das Erweiterungen nach PC104 [http://www.pc104.org] erlaubt. PC104 kommt aus dem Embedded-Bereich und sieht vor, dass Module über einen als Pfostenleiste ausgeführten ISA-Bus übereinander gestapelt auf das Mainboard gesteckt werden. Zudem sind die Geräte sehr stromsparend und in kleinen Abmessungen ausgeführt. Oft sind sie nicht größer als eine Europakarte (16 mal 10 Zentimeter).

Trotz ihrer Größe sind PC104-Main- boards wahre Schnittstellenwunder: Mit bis zu vier seriellen Anschlüssen, USB, PS/2, Monitor, IDE, Floppy und bis zu zwei Netzwerk-Ports ist auf einem modernen Embedded-Board ein kompletter Rechner aufgelötet. Für Spezialanwendungen gibt es sogar PCMCIA-Schächte, Soundkarten, Compact-Flash-Slots oder LCD-Anschlüsse.

Das alles hat seinen Preis: Unter 400 Euro findet man nur selten ein Mainboard, die CPU ist natürlich nicht dabei.

Prozessor-Parade

Ungewöhnlich groß ist auch die Familie der unterstützten CPUs. Anders als im Reich der Big Server, in denen Rechenleistung alles ist, kommt man bei Kommunikations-Servern, Firewalls, Access-Routern oder Mail-Relays durchaus mit kleineren Prozessoren aus.

So finden sich immer wieder Systeme mit Geode von National Semiconductor. Der Nachfolger des Media-GX von Cyrix hat nicht nur einen geringen Stromverbrauch, sondern enthält auch gleich die Speicherverwaltung und eine komplette Grafikkarte. Mit einem zweiten Chip, der die Southbridge ersetzt, lässt sich die Zahl der Komponenten auf dem Mainboard drastisch reduzieren. Allerdings liegt die Rechenleistung deutlich unter einem gleich schnell getakteten Athlon oder Pentium III.

Am häufigsten werden in Kompakt-Servern Intel-Prozessoren, teilweise sogar Notebook-CPUs, eingesetzt. Hauptgrund ist die im Vergleich zu AMD-Prozessoren niedrigere Stromaufnahme und Abwärme, zudem gibt es eine große Auswahl an Embedded-Mainboards für Intel-Prozessoren. Das schlägt sich auch im Testfeld nieder, nur der Intranator ist mit einer AMD-CPU bestückt.

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