Open Source im professionellen Einsatz

E-Mail: Der wichtigste Dienst im Internet

Post modern

Damit der älteste und meistgenutzte Internet-Dienst - die elektronische Post - funktioniert, spielen viele Protokolle und Programme zusammen. Dieser Schwerpunkt rückt die Mitspieler, Trainer und Mannschaften ins Rampenlicht.

Als Ray Tomlinson 1971 die erste E-Mail im ARPANET, dem Vorläufer des Internets, versandte, konnte er nicht ahnen, dass deren mit dem Programm SNDMSG verschickter, höchst bedeutungsschwangerer Inhaltstext "QWERTYIOP" den Anfang einer Revolution in der zwischenmenschlichen Kommunikation bildete. Die ist anderswo bereits weiter fortgeschritten als in Deutschland; beispielsweise in Norwegen, wo der Gebrauch des Festnetztelefons im letzten Jahr um 10 Prozent zurückging - offensichtlich aufgrund verstärkten Mitteilungsbedürfnisses per "e-post", wie die Nordländer ohne Angst vor der Einbürgerung eines IT-Begriffs in ihre Muttersprache sagen.

Im Durchschnitt kamen die Bewohner und Bewohnerinnen des skandinavischen Landes 2001 auf zwei SMS-Meldungen, ebenso viele kurze Handy-Gespräche und bis zu 20 E-Mails täglich. Damit gleicht die Mobil-Telefoniererei bei weitem nicht die statistische Quassellücke im Festnetz aus - eine Entwicklung, die ohnehin mit der Tastatur verwachsene Linuxer und Linuxerinnen wenig überrascht. Für Normalbürger ist sie jedoch von gesellschaftspolitischer Qualität.

Technisch und rechtlich betrachtet

Diese geballte Mitteilungswut setzt entsprechende technische Infrastruktur voraus, und bei der kommen die Anhänger des Aküfi voll auf ihre Kosten: Auf Protokollseite sind in der Hauptsache SMTP und dessen für die lokale Mail-Zustellung angepasster Abkömmling LMTP (RFC 2033), POP3 und IMAP dafür zuständig, dass Mail verschickt und gelesen werden kann.

Auf der Software-Ebene spielen sich MUAs, MTAs und MDAs die Nachrichten zu - wer bislang lediglich "Mail-Programme" (ab Seite 63) und gegebenenfalls "Mail-Server" (ab Seite 40 und 52) kannte, dürfte im Grundlagenartikel ab Seite 32 neue Einsichten gewinnen oder auch mit Erstaunen feststellen, wie leicht es sich von Mensch zu Mail-Server kommuniziert.

Auch wenn die entsprechenden Standards in letzter Zeit teilweise aufgefrischt wurden, ändert dies nichts daran, dass sie ursprünglich aus Zeiten stammen, als es noch niemandem etwas ausmachte, dass E-Mails - wie Postkarten ja auch - von jedem beteiligten Briefträger (alias Server-Betreiber) gelesen werden können. Während datenschutzbewusste Anwender ihrer elekronischen Post mit PGP oder GPG einen Briefumschlag verpassen, hat ausgerechnet ein bislang eher im WWW wahrgenommenes Protokoll (SSL/TLS) das Potenzial, dem SMTP-Protokoll zur Datenverschlüsselung auf dem Transportweg zu verhelfen (Seite 50).

Was ein technisch normiertes und gesellschaftliches Phänomen ist wie E-Mail, weckt unweigerlich auch das Interesse der Juristen. Dass scheinbare Selbstverständlichkeiten dabei sehr schnell Einschränkungen erfahren, mag man bedauern oder begrüßen - ab Seite 66 erfahren Sie mehr über die rechtlichen Konsequenzen von E-Mail in Unternehmen.

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Ausgabe 07/2013

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