Arcad - Architektur unter Linux
Für Hütten und Paläste
Ein reinrassiges Linux-CAD-Programm für Architekten ist Arcad. Mit einer langen Geschichte, einer aktiven Nutzergemeinde und günstigen Lizenzen lädt es zum Ein- oder Umstieg ein.
Ein reinrassiges Linux-CAD-Programm für Architekten ist Arcad. Mit einer langen Geschichte, einer aktiven Nutzergemeinde und günstigen Lizenzen lädt es zum Ein- oder Umstieg ein.
Es gibt hochmoderne CAD-Programme für Architekten (CAAD-Software), die vollständig parametrisiert sind. Das heißt: Gebäudeteile wie Wände oder Fenster sind Objekte mit Eigenschaften, die nicht nur die Geometrie beschreiben, sondern auch das Material, den Preis, den Hersteller und vieles mehr. Bei anderen wiederum ist ein Türrahmen nur ein geometrisches Gebilde und sonst nichts; die Arbeit mit ihnen ähnelt dann trotz ausgefeilter 3D-Fähigkeit eher der herkömmlichen Konstruktion am Reißbrett, was viele Anwender noch zu schätzen wissen. Um ein solches Programm handelt es sich bei Arcad von dem kleinen deutschen Unternehmen gleichen Namens.
Arcad kommt ursprünglich aus der DOS-Welt, neuere Versionen werden aber seit Jahren ausschließlich für Linux entwickelt. Die Anwendergemeinde ist in die Weiterentwicklung und den Test der Software stark einbezogen und ziemlich treu. Im gut frequentierten Forum auf der Arcad-Webseite werden Anfragen zur Bedienung in aller Regel geduldig und kompetent beantwortet.
Mit günstigen Campus-Lizenzen versucht der Hersteller zudem weitere Verbreitung zu finden, sie kosten 128 Mark. Der Käufer erhält dafür ein zeitlich unlimitiertes Vollprogramm inklusive Installationssupport und darf das Programm für sich selbst unbeschränkt nutzen. Auftragsarbeit für Dritte ist jedoch nicht gestattet. Im Funktionsumfang eingeschränkte Vollversionen gibt es schon ab 1420 Mark, die Komplettausstattung schlägt mit knapp 17000 Mark zu Buche. Wer pro Jahr zehn Prozent der Kaufsumme als Wartungsgebühr entrichtet, bekommt automatisch immer die neueste Version.
Arcad ist ein 3D-Volumen-Programm, erlaubt aber auch das Konstruieren in nur zwei Dimensionen. Einige Architekten und Bauingenieure ziehen diese Arbeitsweise vor. Andere können ein 3D-Modell entwickeln und daraus Schnittdarstellungen generieren. So hat der Anwender die Wahl. Die Bemaßung im 3D-Modell ist assoziativ, das heißt, bei Änderungen an der Geometrie ändern sich die Maße mit. Wird nur in zwei Dimensionen konstruiert, ist das jedoch nicht der Fall.
Ein weiterer Nachteil des Programms: Werden Schnittdarstellungen wie Grundriss oder Ansicht aus dem 3D-Modell erzeugt, sind das eigenständige Zeichnungen ohne Bindung an das Modell. Das erlaubt zwar ein schnelles Arbeiten, da die Datenmengen klein sind, jedoch muss jede kleine Änderung an einer Darstellung per Hand in die anderen übernommen werden.
Abbildung 1: So sieht Boris Beckers Villa auf Mallorca in der Darstellung mit Arcad aus, sie wurde nach den Originalplänen nachgebaut (Architekturbüro Hainz, München).
Vor allem für die Präsentation der Entwürfe interessant ist die Möglichkeit, 3D-Szenen zu rendern. Dafür hat Arcad eine Schnittstelle zum Open-Source-Renderer Povray. So ist auch das Berechnen von Kamerafahrten durch das Objekt möglich. Derzeit - in der Betaphase - erfolgt die Beschleunigung der 3D-Funktionen mit OpenGL.
Arcad kommt mit einer großen Bibliothek von Texturen und unterschiedlichen Elementen wie Türen, Fenstern, Bepflanzungen und Ähnlichem auf den Rechner, zusätzliche Bibliotheken im Autocad-Format DXF lassen sich über mehrere Pfade einbinden. Als Print-Formate werden HPGL, HPGL 2 und Postscript unterstützt; dank Ghostscript ist damit auch nahezu jeder beliebige Drucker verwendbar.
In das Benutzerinterface hat Arcad einiges an Intelligenz gesteckt. Die Pulldown-Menüs sind frei platzierbar und können durch einen einfachen Druck auf die Tabulatortaste ein- und ausgeblendet werden. Jeder Befehl lässt sich in eine Icon-Liste übernehmen und durch die Kombination von Maus- und Keyboard-Tasten ist eine Vielzahl spezieller Befehle wie Zoom, Verschieben oder Kippen im laufenden Bearbeitungsprozess möglich.
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