Open Source im professionellen Einsatz

Star Office 6.0 - der erste Eindruck

Das Office mit Zukunft

Der integrierte Desktop ist gefallen, viele Funktionen sind hinzugekommen, andere verbessert und den Unterbau haben die Entwickler komplett ausgetauscht. Das Flaggschiff Star Office 6.0 macht sich klar zum Aufbruch.

Braucht es Office-Pakete unter Linux? - es gibt ja schließlich Emacs und TeX. Die Diskussion darüber ist ähnlich zäh und sinnstiftend wie die über den Nutzen von Automobilen oder abstrakter Kunst. Natürlich, wer es drauf anlegt, kann alle Büroaufgaben auch ohne ein Office- Paket mit den Bordmitteln von Linux erledigen. Der breiten Masse der technisch weniger bedarften Anwender das zuzumuten ist jedoch verwegen. Wem daran gelegen ist, Linux als Desktop-Betriebssystem auch quantitativ Bedeutung zu verschaffen, sollte Ja sagen zu Applikationen wie Star Office.

Dazu gibt Hersteller Sun nach dem Jahreswechsel wieder reichlich Gelegenheit, denn dann kommt die Version 6.0 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt wird die Vorgängerversion 5.2[1] auch eineinhalb Jahre alt sein.

Star Office basiert auf dem im Oktober 2000 von Sun initiierten LGPL-Projekt Open Office[2]. Dem Mozilla-Projekt nicht unähnlich gliederte die Firma die Kernentwicklung in das freie Projekt aus. Sun hatte rund neun Millionen Zeilen Code eingebracht. Die Spenderin legt gesteigerten Wert auf die Offenheit von API und Dateiformat (XML), was dem Projekt noch weitere Lizenz einbrachte, die Sun Industry Standards Source License (SISSL)[3].

Lediglich die zugekauften, nicht-offenen Teile wie Wörterbücher und die Datenbank (und zurzeit alle Sprachmodule außer Englisch) wird Star Office 6.0 dem freien Bruder voraus haben. Zum Test hat das Linux-Magazin die offizielle Star-Office-6-Beta[4] und eine Sun-interne Version herangezogen.

Keine Überraschungen bereitet die Installation

Die Installation von Star Office 6 verläuft ähnlich der der Vorgängerversion, es muss im einfachsten Fall die Datei »./setup« für die Einzelplatz-Installation aufgerufen werden. Für die Mehrbenutzer-Installation - für Linux-Systeme ist das meist die sinnvolle - ist »./setup -net« als Root fällig.

Als Installationsvoraussetzungen gibt Sun einen Pentium-PC mit 64 MByte RAM, einen Kernel 2.2.13 oder höher und eine Glibc2 2.1.2 oder besser an. Wie schon bei allen früheren Versionen ist heftig anzuraten, bei der RAM-Ausstattung ordentlich aufzusatteln. Star Office 6.0 kann parallel zu einer älteren Version installiert werden. Ist Office 5.2 auf dem System installiert, bietet das Installationsprogramm von 6.0 eine Möglichkeit zur Migration der bisherigen Daten an.

Das Setup verläuft komplett als grafischer Wizzard. Von der Vorgängerversion hat die Mehrbenutzer-Installation eine sinnfreie Vorgabe geerbt: Das Installationsziel möge das Heimatverzeichnis des Installateurs (Root) sein. Das Kopieren der Dateien auf die Festplatte ging beim Testsystem in knapp dreieinhalb Minuten vonstatten. Danach sind auf der Festplatte rund 310 MByte weniger Platz.

Anschließend ist die Installation der im Lieferumfang von Star Office befindlichen relationalen Datenbank Adabas D 11.0 angesagt. Die läuft entweder automatisch im Zuge der Star-Office-Installation ab, oder muss per »./adabas« vom Administrator initiiert werden. Nach der Angabe eines (sinnvollen) Installationsziels ist eine halbe Minute und 60 MByte später das Produkt der deutschen Software AG auf dem System. Freilich ist man mit einer schaumgebremsten Version konfrontiert: drei parallele Datenbank-Connections und 100 MByte maximale Datenbankgröße sind die Limits dieser Single-User-DB.

Abbildung 1: Nachdem jeder Benutzer seine Kontaktdaten in eine Maske eingetippt hat (links), sucht das Setup nach einer für Office 6 geeigneten Java-Umgebung. Wenn nichts gefunden oder erfolgreich verifiziert wird, verhilft der Button »Installieren« zu einer Java-Runtime (rechts)

Abbildung 1: Nachdem jeder Benutzer seine Kontaktdaten in eine Maske eingetippt hat (links), sucht das Setup nach einer für Office 6 geeigneten Java-Umgebung. Wenn nichts gefunden oder erfolgreich verifiziert wird, verhilft der Button »Installieren« zu einer Java-Runtime (rechts)

Eine Workstation-Installation pro Benutzer

Wie schon in früheren Version ist pro Office-willigem Benutzer eine Workstation-Installation fällig. Das geschieht Benutzer-weise durch Starten von » StarOffice-Verzeichnis/program/setup«. Nachdem der Benutzer seine Kontaktdaten in eine Maske eingetippt hat, sucht das Setup nach einer für Office 6 geeigneten Java-Umgebung. Wenn nichts gefunden oder erfolgreich verifiziert wird, verhilft der Button »Installieren« zu einer Java-Runtime von Sun (siehe Abbildung 1).

Beim ersten Start der eigentlichen Anwendung - typisch wird das das Textverarbeitungsmodul sein - sieht der Benutzer einen Wizzard, der den Import vorhandener Adressdaten erlaubt. Interessant und neu ist, dass neben Netscape- und Mozilla-Adressbüchern auch LDAP-Adressen einlesbar sind (siehe Abbildung 2). Mit ein wenig Handarbeit sind auch Kontaktdaten aus dBase-, Adabas- oder aus ODBC-Quellen importierbar.

Abbildung 2: Beim Import vorhandener Adressdaten sind neben Netscape- und Mozilla-Adressbüchern auch LDAP-Adressen einlesbar.

Abbildung 2: Beim Import vorhandener Adressdaten sind neben Netscape- und Mozilla-Adressbüchern auch LDAP-Adressen einlesbar.

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