Open Source im professionellen Einsatz

Mapserver-Projekt der TU München und der Stadtverwaltung

Plan-Quadrat

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Die Stadt München bietet in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität einen Service an, bei dem übers Internet Geodaten von einem Linux-basierten Mapserver abgerufen und on the fly in Bilddaten umgewandelt werden. Eine feine Sache - nicht nur für Leute mit Umzugsplänen.

Sie suchen Informationen? Zum Beispiel über die so genannten harten Faktoren wie Miet- und Immobilienpreise oder die weichen wie das Renommee Ihrer neuen Wohngegend? Vielleicht haben Sie auch noch darüber hinaus gehende Wünsche, etwa eine gesunde Wohnumwelt, und suchen Hinweise dazu? Diese und viele weitere geografisch referenzierten Informationen stellt ein Server zur Verfügung. Linux-Magazin-Leser kennen bereits solche Mapserver, die es auch als freie Software gibt: Frank Koormann stellte den UMN-Mapserver, der hier zum Einsatz kommt, in seinem Artikel in der Ausgabe 9/2000 vor.

Diese Dienste bieten eine neue Chance: Zum Beispiel können Sie bei einer Adressensuche blitzartig auch die unterschiedlichen Umweltaspekte in er künftigen Wohnumgebung anzeigen lassen: Egal ob Ozonbelastung, Mobilfunkanlagen oder Grün- und Freiflächen - Information at your fingertips!

Cookie-Handling und Perl-CGIs

Umweltinformationen für Stadt und Region München wurden bislang mit einem Mapserver unter Windows NT im Internet angeboten, aber sowohl Betriebssystem-Stabilität als auch Programmierumgebung gaben wenig Anlass zur Zufriedenheit: Die bootende Hand des Administrators musste oft eingreifen, die Kombination Dispatcher-DLL und Mapserver-OCX war nicht zum Cookie-Handling zu bewegen, Perl-CGIs unter NT waren langsam - um nur ein paar Beispiele zu nennen.

In dieser Situation wurde auf der Tagung Computer Aided Planning (CAP) 1999 [1], einer jährlichen Tagung des Instituts für Städtebau und Wohnungswesen, die Idee einer Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Raumforschung, Raumordnung und Landesplanung sowie dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München (RGU) [2] geboren.

Am Lehrstuhl ist seit 1998 ein Linux-Server mit einer datenbankbasierten (ADABAS) WWW-Applikation für statistische Gemeindedaten in Bayern [3] (RIO, Regional Informationen Online) in Betrieb, und dieses System lief und läuft störungsfrei. Bei Recherchen fiel die URL des Mapservers der University of Minnesota (UMN) [4] auf, und das war auch schon die endgültige Geburtsstunde für das gemeinsame Mapserver-/XML-Projekt namens DREAM (Digitaler Regionalatlas München) [5]. Sicherlich ein Kandidat für den Obfuscated URL Contest, aber leider war die Domain dream.de bereits an eine Partnervermittlungs-Agentur für Damen verschiedener Nationalität vergeben. ;-)

Geodaten für Umweltschutz und Planung

Die Aufgabenstellung "kartografische Umwelt- und Planungsinformation für die Öffentlichkeit" an eine Behörde beziehungsweise einen Raumplanungs- Lehrstuhl umfasst eine Reihe zentraler Anforderungen:

  • Darstellung ausschließlich kartografischer Inhalte
  • Integration von Vektor- und Rasterkarten
  • Nutzung der vorhandenen Geo- und Sachdatenbasis
  • Hohe Zuverlässigkeit, möglichst wenig (keine) Administration
  • Geringe Client-Anforderungen (Hard-/Software und Internetanbindung)
  • Bedienung aller Browser auf allen Betriebssystemen, also keine Plug-ins
  • Keine Festlegung auf nur ein Server-Betriebssystem (zumindest SunOS und Linux)
  • Minimierte Kosten
  • Offene Architektur
  • Schnittstellenvielfalt für Datenbankanbindungen
  • Orientierung an OpenGIS [6]

Die damals verfügbaren Mapserver-Lösungen umfassten nur eine Handvoll Produkte. Die Betriebssystem-Präferenz Unix und die Forderung nach Kostenminimierung für Hard- und Software des Servers ergaben einen klaren Vorteil für die lizenzkostenfreie UMN-Mapserver- Lösung. Auf der Homepage heißt das Programm zwar lediglich Mapserver, aber es beschreibt eher die Funktionalität eines Geodatenviewers mittels Browser für die Präsentation im Internet, für die es inzwischen eine größere Anzahl von Produkten gibt. Deshalb soll dieser spezifische Mapserver im Folgenden genauer als UMN-Mapserver bezeichnet werden.

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