Open Source im professionellen Einsatz

Die monatliche GNU-Kolumne

Brave GNU World

Diese Kolumne berichtet über aktuelle Entwicklungen innerhalb des GNU-Projekts und versucht, Einblicke in die zugrunde liegende Philosophie zu vermitteln. In dieser Ausgabe: freie Spiele, Freeciv, XWeb, General Server Pages, GNU Classpath Extensions und IDX-PKI.

Willkommen wieder mal zu einer Ausgabe der Brave GNU World. Weil der Mensch nicht nur arbeiten soll, stelle ich zuerst ein freies Spiel vor.

Wegen ihrer Schnelllebigkeit und des geringen Servicebedarfs sind Spiele oft noch Sorgenkinder der freien Software. Obwohl einige Unternehmen ihre Produkte heute auf GNU/Linux portieren, bleiben sie meist proprietär. Zwar kann man sagen, dass Spiele selten anwendungskritisch sind und sicherlich auch nicht der wichtigste Teil freier Software. Spiele sind aber für manche Leute auch der Anlass, sich mit ihrem Computer näher zu beschäftigen. Zudem sind sie oft der Grund für die Wahl eines unfreien Betriebssystems.

Auch scheint mir die Spieleindustrie in den letzten Jahren den Mangel an neuen Ideen durch mehr Effekte ausgleichen zu wollen. Das mag ein subjektiver Eindruck sein, doch die ersten Computerspiele hatten - finde ich - einfach mehr Witz. Gerade bei diesem Problem könnten sich durch das Zusammenspiel in einer Community einmalige Chancen für spannende und nicht lineare Handlungsstränge ergeben, die bisher offensichtlich nicht genutzt werden.

Mehr freie Spiele?

Da eine relativ kleine Nutzerbasis oft Schwierigkeiten beim Entstehen neuer Gebiete bereitet, möchte ich in den folgenden Ausgaben der Brave GNU World gerne öfter freie Spiele vorstellen. Wer also viel Spaß mit einem freien Spiel hat oder selbst an einem arbeitet oder arbeiten möchte, den bitte ich, sich bei mir zu melden [1]. Auch der Hinweis auf ein Portal, das sich exklusiv freier Spielesoftware widmet, wäre bestimmt hilfreich. Doch damit genug der Einleitung.

Freeciv - freie Völker

Bei Freeciv [5] handelt es sich um eine freie Implementierung des bekannten Spiels Civilization II der Firma Microprose unter der GNU General Public License. Der Spieler übernimmt die Rolle des Oberhaupts eines Volkes und hat dafür Sorge zu tragen, dass es wächst und gedeiht. Dabei müssen Ressourcen erschlossen, Städte gebaut, die Wissenschaft vorangetrieben und Konkurrenten auf Abstand gehalten werden.

Der Reiz des Spieles besteht in seiner Nichtlinearität und der kontinuierlichen Entwicklung, die wohl auch ein Grund ist, warum es manchem so schwer fällt, ein Ende zu finden. Der Spieler kann zwischen 47 Einheiten und 61 Nationen wählen, die in vorbereiteten Karten und Szenarien zum Einsatz kommen. Freeciv ist insgesamt ausgereift, verfügt über eine eingebaute Hilfefunktion und ist internationalisiert, spricht also mit vielen Spielern in ihrer Muttersprache.

Hochgradig Sucht erregend ist Freeciv, eine freie Variante von Civilization.

Hochgradig Sucht erregend ist Freeciv, eine freie Variante von Civilization.

Bemerkenswert ist die starke Gemeinschaft, die sich um dieses Spiel entwickelt hat und über den #freeciv-Kanal im IRCNet kommuniziert - auch weil Freeciv bis zu 30 Spieler unterstützt, die entweder durch künstliche Intelligenz (KI) oder menschliche Spieler via Netzwerk (LAN oder Internet) gesteuert werden. Dabei läuft Freeciv auf allen gebräuchlichen Unix-Varianten und Windows sowie OS/2, falls die Cygnus-Unix-Umgebung vorhanden ist.

Ursprünglich gestartet wurde Freeciv von Peter Joachim Unold, Claus Leth Gregersen und Allan Ove Kjeldbjerg, die mittlerweile aber die Aufgabe der Administration an Thue Janus Kristensen und Tony Stuckey abgegeben haben.

Neben den Genannten hat es beeindruckend viele Mitwirkende an den üblicherweise im Drei-Monats-Turnus erscheinenden Versionen gegeben [6]. Die größten Schwierigkeiten haben momentan noch die Microsoft-Benutzer, doch sie dürften durch die Installation von GNU/Linux zu beseitigen sein. Probleme drohen sonst nur durch das hohe Suchtpotenzial von Freeciv.

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Ausgabe 07/2013

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