Nein, das Angebot der Linux-Version von T@x2001 ist - entgegen den Erwartungen der meisten Linux-Anwender - in Sachen Funktionalität nicht mit der Professional-Version, die in der Fachpresse oft gelobt wurde, sondern nur mit der Standard-Variante für Windows vergleichbar. Der Hersteller Buhl hat diese übrigens vorsichtshalber als Bonus gleich mit auf die Linux-CD gepresst.
Besonders für viele Selbstständige und Kleingewerbetreibende interessante Zusatzfunktionen wie zum Beispiel die Einnahme-Überschuss-Rechnung sowie Gewerbe- oder Umsatzsteuer-Erklärung sucht man unter Linux also leider vergeblich. Dennoch verlangt Buhl für diese eingeschränkte Linux-Version mit knapp 50 Mark ebenso viel wie für die Professional-Variante unter Windows.
Elster lernt fliegen
Als Linux-Anwender mit Grundkenntnissen als Systemadministrator ist man zwar durchaus in der Lage, T@x2001 über den Aufruf der auf der CD enthaltenen Installations- und Konfigurationsskripte einzurichten. Bei einem 50 Mark teuren Programm wäre aber doch hier und da ein wenig mehr Komfort zu erwarten.
Ist nämlich der eigene Drucker der Postscript-Sprache nicht mächtig, wird man von der beiliegenden Online-Dokumentation auf die Reise geschickt: Zunächst sind von der Adobe-Homepage druckerspezifische Windows-PPDs (Postscript Printer Descriptions) zu besorgen, diese meist als selbst extrahierende Windows-Executables vorliegenden Dateien sind irgendwie unter Linux zu entpacken und die darin enthaltenen PPDs ins Verzeichnis /opt/tax2001/ppd zu kopieren. Erst jetzt macht der Aufruf des Drucker-Setup-Skripts setprinter.x auch Sinn.
T@x 2001 zeichnet sich auch unter Linux durch seine intuitiv bedienbaren Benutzerdialoge aus.
Ähnlich umständlich gestaltet sich die Konfiguration der Programmfunktion Elektronische Steuererklärung. Weil in der Linux-Version die Update-Mechanismen nicht funktionieren, wird man dazu verdonnert, das in zweiwöchigen Abständen erneuerte Elster-Telemodul manuell von der Buhl-Supportseite herunterzuladen. Mehr noch: Zu diesem Modul kommt auch noch das fast 4 MByte große RPM-Ergänzungspaket Tax Elster hinzu.
In beiden Fällen geschieht das ohne jeden Signierschlüssel für die Echtheitsüberprüfung! Angesichts der Vertraulichkeit der damit übertragenen Daten ein mehr als bedenkliches Verfahren.
Hyperaktive Fenster und Hieroglyphen
Das eigentliche Programm läuft trotz Wine-Emulation zumindest auf leistungsfähigen Rechnern in einer akzeptablen Geschwindigkeit. Neben den gelegentlich erscheinenden Darstellungsfehlern tritt jedoch hin und wieder ein äußerst lästiger Effekt zutage: Manche Dialog- oder Hinweisfenster beenden sich nämlich nicht ordentlich, sondern warten - vom Hauptfenster verdeckt - im Hintergrund weiter auf Benutzereingaben. Dadurch sorgen sie aber immer wieder für scheinbare Hänger im Hauptprogramm.
Ein weiterer Schwachpunkt ist sicherlich die Textdarstellungsgüte des integrierten Texteditors. Denn dieser stellt - zumindest bei einer Bildauflösung von 1024 mal 768 Punkten - die Textausgaben einschließlich sämtlicher Fehlermeldungen in einer trotz der eingebauten Zoom-Funktion kaum noch lesbaren Schrift dar.
Wer hier einige Hindernisse erfolgreich umschifft hat, erhält einen fertigen Vordruck, der vom Finanzamt anerkannt wird.
Wer bereit ist, derartige Bedien- und Darstellungsmängel in Kauf zu nehmen, dem gelingt - über kurz oder lang - aber auch mit der Linux-Version die Steuererklärung für das Steuerjahr 2000.