Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2001
498

HomeFree von Diamond - eine Alternative?

Die HomeFree-Funkkarten von Diamond sind mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 1 MBit pro Sekunde eher für Heimanwender gedacht, dafür spricht auch der Preis von rund 500 für ein Gerätepaar.

Die Karten sehen wie die Siemens-Geräte keine Möglichkeit des Anschlusses externer Antennen vor. Mit der serienmäßigen Antenne ist die Reichweite laut Hersteller auf zirka 50 Meter beschränkt. Zur Übertragung verwendet das HomeFree dasselbe FHSS-Verfahren wie die Siemens-Geräte, aber auf 2,4 Gigahertz.

Ein Steckplatz muss im Rechner geopfert werden: Diamond bietet die Varianten PCMCIA, ISA und PCI an. Mit Linux kommen nur die ISA- und PCI-Karten in Betracht, da für die PCMCIA -Variante derzeit kein Treiber existiert.

Pavel Machek (http://pavel@ucw.cz), der Entwickler des HomeFree-Treibers für Linux, hat bislang nur eine Character Device-Implementierung vorgenommen. Und auch die hat ihre Kinderkrankheiten. Der Programmautor verweist selbst auf Gefahren bei der Benutzung des Moduls.

Dies zeigt sich zum Beispiel beim missglückenden Versuch, das Kernel-Modul wieder zu entfernen ( Used by -2). Ferner kann das Treiberpaket nur im Debug-Modus übersetzt werden; der laufende Treiber schreibt darum pausenlos ins System-Logfile.

Darüber hinaus verletzt der Autor den Übertragungsstandard. Für die Übertragung benutzt der Treiber ausschließlich den Kanal 0 und keinen der anderen 80 Kanäle des FHSS-Standards. Schon allein daran scheitert jeder Versuch eines Datenaustauschs mit HomeFree-gewappneten Windows-Rechnern.

Wer sich trotzdem der Mühe unterziehen will, die HomeFree-Lösung auszuprobieren, findet die Quellen zum Herunterladen im Internet [4]. Nach dem Studium der Readme ist ferner darauf zu achten, dass bei der ISA-Variante keine Adressüberschneidung mit anderen Karten im PC auftritt. Das CMOS-Setup des BIOS ist bei Problemen auch eine Inspektion wert.

Vielleicht mag der eine oder andere Linux-Freund Pavel Machek bei seiner Arbeit am stabilen Treiber unterstützen.

HomeFree als PCMCIA- und ISA-Variante.

HomeFree als PCI- Karte.

Fazit für beide Systeme

Das Diamond HomeFree wäre mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis eine sehr attraktive Lösung, um kabellos Rechnersysteme miteinander zu verbinden. Doch leider ist der Linux-Treiber nicht ausgereift. Ein produktives Arbeiten ist derzeit nicht zu gewährleisten. Eine Menge Programmierstunden bis zum stabilen Treiber sind da noch zu leisten.

Die Siemens-Lösung überzeugt durch einfache Integration und große Vielseitigkeit. Das schlägt sich auch beim Preis nieder: andere, schnellere Funksysteme sind teilweise billiger. Beide Testkandidaten übertragen die Daten recht langsam, Speed-Süchtige sollten sich besser die Angebote von Lucent, Cisco und anderen Herstellern anschauen. Die bieten im Zweifel den größeren Surf-Spaß. ( jk)

Infos

[1] http://www.siemens.de/gigaset

[2] http://www.oppermann-telekom.de/wll.html

[3] Linux-Magazin 2/2000, S. 14, B. Kuhn: Frisch auf den Labortisch

[4] Treiber-Sourcen für HomeFree: http://david.poda.cz/homefree/tir2000

[5] Linux-Magazin 8/2000, S. 98, K.-D. Baer: WaveLAN im Einsatz

[6] ftp://ftp.linux-magazin/pub/devel/gigaset-0.8tgz

Der Autor

Klaus-Dieter Baer ist Dipl.-Ing. (FH) und verfasste im Linux-Magazin 8/2000 den Bericht über Lucent Wireless LAN. Er beschäftigt sich seit längerer Zeit mit Linux und drahtlosen Funksystemen. Er ist über E-Mail zu erreichen unter: baer@DiplIngBaer.de

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