Open Source im professionellen Einsatz

Open-Source-Software beim Web-Auftritt der TV-Serie Big Brother

Die kleinen Helfer des großen Bruders

Wie immer man zur Fernsehserie Big Brother stehen mag, erfolgreich ist sie. Daran dürfte auch das aufwändige Web-Angebot einen großen Anteil haben. Die Serverarchitektur der Big-Brother-Website beruht nahezu ausschließlich auf Open-Source-Lösungen

Trotz Internet-Boom sind es immer noch die klassischen Medien Print und Fernsehen, die unseren Alltag bestimmen. Deswegen zählen wiederum die Internet-Angebote dieser Medien zu den meistbesuchten im Web überhaupt. Kommt dann noch ein kräftig geschürter Hype wie bei viel geliebten und viel geschmähten Reality-Schmonzette Big Brother dazu, kann man sich das Ächzen der dahinter stehende Webserver beinahe bildhaft vorstellen.

Matthias Eichler ist bei der Münchner Firma AME für die Big-Brother-Technik verantwortlich.

Matthias Eichler ist bei der Münchner Firma AME für die Big-Brother-Technik verantwortlich.

Open Source ist vorn dabei

Bei Big Brother ist Interaktion Programm und das Aufweichen der traditionellen Linie zwischen Akteur und Zuschauer der Hauptanteil im Erfolgsrezept. Das Web-Angebot der Produktionsfirma Endemol spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auch wenn man über den Inhalt der Sendung geteilter Meinung sein kann, lohnt sich ein Blick auf die dahinter stehende Technologie, mit der diese High-Traffic-Seite mit gleichzeitig hoher Verfügbarkeit gebaut wurde.

Doch zunächst ein paar Zahlen: Die erste Staffel von Big Brother verursachte auf den Webservern während der hundert Sendetage insgesamt 220 Millionen Page Impressions. Für das Voting meldeten sich pro Sekunde ein bis zwei neue Nutzer an. Für den Big-Brother-Newsletter fanden sich immerhin noch 95000 Abonnenten. Der gebündelte Voyeurismus der Deutschen sorgte beim Big-Brother-Projekt für 5 Terabyte Web-Traffic. Dabei ist aber weder der Bereich der Chats und Foren dabei, noch der Streaming Content, der über separate Server läuft.

Viele IT-Entscheider wären bei solchen Anforderungen schnell bei einer High-End-Lösung wie Sun-Servern mit Solaris hängen geblieben. Endemol jedoch, die Big Brother erfunden hat, produziert und bis über die Schmerzgrenze hinaus vermarktet, ist an Lösungen interessiert, die sich rechnen, und überlässt die Entscheidung über Details wie die Wahl von Betriebssystem und Hardware ihren Auftragnehmern. So ist es schon bemerkenswert, dass alle Internet-Aktivitäten an Firmen vergeben wurden, die im Serverbereich voll auf Open-Source und Intel-Standard-Hardware setzen.

Letzter NT-Server nominiert

Wer Endemol und sein Fastfood-TV kennt, wird ahnen, dass ideologische Aspekte bei dieser Entscheidung kaum eine Rolle gespielt haben werden. Gleiche Servicequalität ist hier einfach billiger zu haben, ein Aspekt der den sparsamen Holländern nicht entgangen ist: Es fallen keine Lizenzkosten an, hochbezahlte Manager müssen nicht stundenlang in Meetings sitzen, um günstige Nutzungsbedingungen proprietärer Software herauszuschinden, und nicht zuletzt sind Stabilität, Belastbarkeit und Administrierbarkeit von Open-Source Produkten auch nicht zu verachten, wie man Lesern dieses Magazins nicht eigens erklären muss.

Kein Wunder also, dass die Münchner Firma AME, die den Web-Auftritt der TV-Produktion betreut, den letzten noch verbliebene NT-Server am Produktionsstandort Hürth nach Ende der ersten Big-Brother-Staffel durch einen SuSE-Linux-PC ersetzte, bevor er sich zu einsam fühlte.

Die etwa 20 Mitarbeiter der Multimedia- und Internet-Firma AME haben sich der Medienkonvergenz verschrieben. Das heißt nichts anderes, als dass sie konventionelle Medien wie Fernsehen und Radio mit dem Internet verknüpfen. AME ist vertikal organisiert. Man tut dort alles selbst, vom Zusammenschrauben der Server bis zu derzeit allseits beliebten Bereichen wie Content Creation und Content Management.

Ein Unternehmen dieser Struktur kann es sich nicht leisten, zusätzlich horizontale Kompetenzen aufzubauen, also zum Beispiel Spezialisten für NT oder Linux und BSD bis zu Solaris zu beschäftigen. Die Konsequenz ist einfach: Für die Webserver setzt man auf FreeBSD, bei der Entwicklung, bei File- und Datenbankservern auf Linux und bei den Datenbanken selbst auf MySQL.

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