Open Source im professionellen Einsatz

Brave GNU World

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Diese Kolumne berichtet über aktuelle Entwicklungen innerhalb des GNU Projektes und versucht, Einblicke in die zugrundeliegende Philosophie zu vermitteln. In dieser Ausgabe: Debian Jr., GTKtalog, Jam, der GNU Font Editor, GNU Typist, ISoSy und das MIX Development Kit.

Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Georg's Brave GNU World. Beginnen will ich heute mit einem Projekt, das allen Familienvätern und -müttern gefallen dürfte.

Debian Jr.

Das Debian Jr. Projekt [5] wurde von Ben Armstrong ins Leben gerufen, um eine spezielle Debian-Distribution für "Kinder von 1 bis 99" zu erstellen. Ziel ist die Kinder früh spielerisch an den Computer im Allgemeinen und das Debian-System im speziellen heranzuführen. Im Alter von zehn Jahren sollte die Benutzung einer Debian-GNU/Linux- oder GNU/Hurd-Distribution für damit großgewordene Kinder keine Probleme mehr bereiten.

Der aktuelle Entwicklungs-Fokus liegt auf der Altersgruppe von bis zu acht Jahren, um dann die Gruppe bis zwölf im zweiten Schritt anzugehen. Die erste Anlaufstelle sind die Eltern, Lehrer, älteren Freunde und Verwandten, die bereits Debian benutzen und es gerne mit den Kindern in ihrem Leben teilen möchten. Genau genommen hat das Debian-Jr.-Projekt also zwei Zielgruppen:

Für diese erste Gruppe, die im weitesten Sinne die Systeme administrieren werden, soll die Installation von kindgerechten Paketen und vorbereiteten Setups vereinfacht werden. So soll es beispielsweise zu den einzelnen Themenbereichen Task-Pakete geben, die in bekannter Debian-Manier Abhängigkeiten zu den für diese Aufgabe benötigten Programmpaketen aufweisen.

Die zweite Zielgruppe sind natürlich die Kinder. Die Programme müssen für sie leicht benutzbar und auf ihre Bedürftnisse zugeschnitten sein - außerdem soll die Bedienung Spaß machen, da dies ein wesentlicher Motivationsfaktor ist. Doch es gibt noch einen dritten Aspekt, der bei der Anpassung auf Kinder beachtet werden muss. Wie Ben Armstrong es ausdrückt: falls es irgendeinen Weg gibt, ein System außer Betrieb zu setzen, wird ein Kind ihn sehr, sehr schnell finden.

Seine eigene Tochter hat ihn damit zum Wahnsinn getrieben, dass sie das Passwort täglich geändert und am nächsten Tag vergessen hat. Und dann war da noch der Tag, als sie sich entschloss, in ihrem Dateieditor Pico jedes nur vorstellbare File inclusive MP3-Files, Tar-Archive, den Kernel und /dev/dsp in ihren Buffer zu laden.

Aus diesem Grund sollte ein gewisser Teil der Aufmerksamkeit auf das sogenannte Kidproofing verwandt werden. Dazu gehört beispielsweise das großzügige Einführen von ulimits und Quotas sowie die Beschränkung des Zugriffs auf einige Werkzeuge und Funktionen. Ein Schelm, wer glaubt, die hier gewonnene Erfahrung könne sich unter Umständen für die Konfiguration von Arbeitsplatzrechnern in so manchem Unternehmen nutzen lassen.

Weitere Themen-Vorschläge gesucht: Die möglichen Logos für das Debian Jr.-Projekt

Weitere Themen-Vorschläge gesucht: Die möglichen Logos für das Debian Jr.-Projekt

Die Frage, warum ausgerechnet Debian als Fundament für dieses Projekt dient, beantwortet Ben Armstrong damit, dass er Debian aufgrund seiner starken Orientierung auf Freie Software bevorzugt.

Es ist ein offenes System, bei dem viele Entwickler als Nutzer angefangen haben und aus Spaß an der Sache damit begannen, das System weiterzuentwickeln. Dies sei für ihn die ideale Basis, um Kinder an den Umgang mit Computern heranzuführen. Dir große Stärke des Systems, dass es von Freiwilligen erstellt wird, ist nach seiner Ansicht auch eine der größten Schwächen, da sich die Koordination der Zusammenarbeit gelegentlich als schwierig erweist.

Natürlich kann Ben dieses große Projekt nicht alleine bewerkstelligen - die Zahl der Mitstreiter ist zu groß, Auf der Mailingliste sind im Moment 160 Personen eingetragen. Dennoch gibt es noch immer Bedarf an Hilfe. Gerade die Anpassung an andere Sprachen wäre sinnvoll. Weiterhin wird nach einem geeigneten Logo gesucht, und es ist geplant, "Debian Jr."-Themes zu basteln.

Persönlich halte ich dieses Projekt für außerordentlich sinnvoll, da es Kinder früh an Computer heranführt. Dass sie dabei mit Open-Source-Software arbeiten, ist ganz sicher nicht von Nachteil. Dies erscheint mir eine gute erste Prägung im Umgang mit Technologien und Informationen.

Damit komme ich zu zwei Projekten, die etliche Leute interessieren dürften.

GTKtalog

GTKtalog [6] von Yves Mettier ist ein auf GTK+ basierendes Programm zum Katalogisieren von CDs. Besitzer von umfangreichen CD-Sammlungen dürften es schätzen lernen, da es das Auffinden von Files vereinfacht. Auch MP3-CDs sind damit rasch erfasst. GTKtalog hat eine Fähigkeit, die es darüberhinaus besonders nützlich macht, denn es findet auch Dateien innerhalb von tgz- oder rpm-Archiven.

Zu den drängendsten Problemen zählt nach der Ansicht von Yves die mangelnde Dokumentation und die fehlenden deutschen und italienischen Menüs. Für etliche andere Sprachen ist die Internationalisierung bereits vollständig.

GTKtalog bringt Ordnung nicht nur ins CD-Chaos: Hier werden die Dateiformate ausgewählt, die Programm katalogisiert.

GTKtalog bringt Ordnung nicht nur ins CD-Chaos: Hier werden die Dateiformate ausgewählt, die Programm katalogisiert.

Für die Suche gibt es zwei Bildschirmmasken, hier ist die ausführlichere zu sehen.

Für die Suche gibt es zwei Bildschirmmasken, hier ist die ausführlichere zu sehen.

Ansonten plant er, die Funktionalität zu verbessern. Es gibt an einigen Stellen Dinge, die der Autor nicht als Bug bezeichnen möchte, die aber benutzerfreundlicher gelöst werden sollten. Für das Schreiben der Dokumentation wäre zudem Unterstützung von außen sinnvoll, da davon eine zusätzliche Qualitätssicherung des Programms erhofft werden kann. Außerdem würde Yves Mettier die Dokumentation aus Sicht des Autors verfassen, was seiner Ansicht nach nicht unbedingt die sinnvollste Perspektive für den Leser der Dokumentation darstellt.

Für die weitere Entwicklung gibt es ein relativ umfangreiches TODO-File, welches der Autor der Reihe nach abarbeiten will. Doch obwohl noch daran entwickelt wird, ist GTKtalog definitiv benutzbar, weshalb es auch seinen Weg auf die Mandrake-Distribution gefunden hat.

Yves Mettier hebt hervor, dass eine der schönsten Seiten des Entwickelns für ihn die E-Mails sind, die er erhält. Manchmal handelt es sich dabei um Überraschungen, wie eine weitere Übersetzung oder einen größeren Patch. Selbstverständlich steht GTKtalog unter der GNU General Public License.

Auch das nächste Projekt beschäftigt sich damit, Daten zu katalogisieren.

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