Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2001

10 Notebooks unter Linux auf dem Prüfstand

Tragbare Alternativen

Die Entwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass Linux auf fast jedem Desktop-Rechner problemlos installiert werden kann. Doch was ist mit den tragbaren PCs und ihren Handicaps durch die mitunter stark reduzierte Hardware? Zehn aktuelle Marken-Notebooks mussten sich dieser Frage stellen.

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Für diesen Test klopften wir bei allen namhaften Herstellern -- von Acer und IBM bis zu Wortmann -- an. Das Ergebnis war ein Testfeld von zehn aktuell erhältlichen Geräten zu Preisen von 4300 bis 12500 Mark. Wir haben uns bewusst auf Markenhersteller konzentriert, da es bei diesen nur recht selten zu nachträglichen Hardware-Veränderungen kommt, während man im No-Name-Bereich häufig unter gleichen Namen und Modell-Bezeichnungen mehrere unterschiedliche Hardware-Konfigurationen bekommt -- wovon das getestete Gerät dann natürlich längst nicht mehr lieferbar ist, wenn dieses Heft am Kiosk liegt.

Dafür haben Markengeräte ihren Preis, das Hauptfeld lag im Bereich von 7000 bis 9000 Mark, für den wir aber auch eine anständige Hardware-Unterstützung unter Linux erwarten. Wer hier auf Standardkomponenten gesetzt hat, konnte viel Boden gut machen. Dagegen tauchen bei brandneuer Hardware oft Treiber-Probleme auf, was zu Abwertungen führte. Doch die gute Nachricht zuerst, es gibt kein Gerät, bei dem Linux gar nicht funktioniert, auch wenn unter Umständen das WinModem und die Netzwerkkarte nicht ansprechbar waren oder der X-Server hier und da ein paar Probleme hatte. Spätestens über die CardBus-Slots ließen sich überall Modem oder Netzwerkkarte nachrüsten. Daraus folgt auch, dass nicht unterstützte Hardware in diesem Bereich kein großes Unglück ist, sondern eine Angelegenheit von rund zweihundert Mark Mehrkosten für die Nachrüstung.

Besonders erfreulich fanden wir, dass nicht ein einziger Notebook-Hersteller propietäre Speicherkarten verwendet, durch die Bank stecken in den Testgeräten SD-RAM-soDIMMs und ließen sich munter untereinander mischen.

Auch in Sachen Ausstattung waren wir sehr zufrieden, selbst das 12-Zoll-Display des Sony Vaio kam mit XGA-Auflösung daher und strotzte dank seines 700-MHz-Pentium-III vor Power. Einzig Schlusslicht IBM schickte noch ein Gerät mit SVGA-Auflösung und einen pensionsverdächtigen Celeron 500 MHz.

Nicht ganz so begeistert waren wir von der neuen Steckernorm: Kaltgerätestecker fanden wir bei keinem Notebook-Netzteil mehr. Ein vergessenes Stromkabel kann also schnell zum Problem werden, zumal wir auf dem freien Zubehörmarkt kein Ersatzkabel finden konnten. Immerhin hatten manche Geräte -- zum Beispiel die von Toshiba -- einen Euro-Stromstecker, den man auch vom Rasierapparat kennt.

Traurig ist, dass bis auf Wortmann kein einziger Hersteller ein vorinstalliertes Linux-System anbietet und die meisten auch in Zukunft keine Chance für Linux sehen. So findet man zum Beispiel auf den Seiten von Acer, dem Hersteller des besten Linux-Laptops im Test, gerade mal 18 Treffer zum Thema Linux. Auf Nachfrage deutete man zudem an, dass mindestens bis Mitte 2001 keine Linux-Ambitionen bestehen. Hoffentlich trägt dieser Test dazu bei, die Vorurteile vieler Firmen über das freie Betriebssystem abzubauen, denn die Geräte brauchen sich in Sachen Treiberunterstützung wirklich nicht zu verstecken.

Und so haben wir
getestet

Alle Geräte wurden unmittelbar nach dem Auspacken gewogen und vermessen, dann -- soweit möglich und nötig -- mittels GNU/Parted die bestehende Windows-Partition verkleinert, um Platz für Linux zu schaffen. Wir benutzten die DVD beziehungsweise CDs von SuSE Linux 7.0 Professional. Die Entscheidung fiel deshalb zugunsten von SuSE, weil sie die in Deutschland am weitesten verbreitete Distribution ist und auch auf DVD vorliegt. Und nicht zuletzt behaupten wir kühn: Was mit SuSE-Linux funktioniert, wird auch mit Red Hat, Mandrake oder Debian zu schaffen sein, wenn auch manchmal nur mit etwas zusätzlicher Handarbeit.

Die Typangaben von Chipsätzen entstammen in der Regel lspci , wir sahen aber auch im Geräte-Manager von Windows nach, falls Zweifel an bestimmten Angaben bestanden oder von lspci Geräte nicht zuzuordnen waren.

Die X-Konfiguration überließen wir soweit möglich YaST2 im Rahmen der Erstinstallation. Bei den S3 Savage installierten wir erst den gepatchten XF86_SVGA-Server und bemühten dann XF86Setup, das wir von der alten SuSE Linux 6.4 nachinstallierten -- es ist in der Version 7.0 nicht mehr enthalten.

Auf die Überprüfung der Akku-Laufzeit mussten wir verzichten, wir haben bisher keinen realistischen Benchmark, der eine normale durchschnittliche Belastung widerspiegeln würde. Die Akkulaufzeit bei voller Auslastung anzugeben ist nur wenig aussagekräftig, da dann Stromspar-Mechanismen überhaupt nicht greifen können und so auch keine praxisrelevanten Messwerte herauskommen -- wer lässt schon den ganzen Tag lang den Kernel neu übersetzen oder unterwegs aufwändige Szenen rendern? Auch eine Perfomance-Messung haben wir nicht durchgeführt, fünf Prozent mehr Leistung bei dem einen oder anderen Gerät spielen bei der Anschaffung eine sehr untergeordnete Rolle.

Für den Temperaturtest heizten wir die Notebooks bei einer Umgebungstemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius mittels der auf den Gerätefotos zu sehenden PovRay-Szene auf und maßen die Temperatur frühestens 90 Minuten nach dem Start. Wir erfassten hierbei vier Messpunkte, die wärmste Stelle der Tastatur, die höchste Temperatur auf der Unterseite des Geräts, danach den Luftstrom des Haupt-Luftauslasses und schließlich die Temperatur am Kontakt des CardBus-Slots bei eingesetzter PCMCIA-Festplatte. Beim IBM Thinkpad mussten wir auf eine indirekte Messung zurückgreifen -- der Fühler passte nicht in die Lücke, also maßen wir die Temperatur des Kontakts bei frisch ausgeworfener Karte. In das Sony Vaio bekamen wir die Festplatte vom Typ III erst gar nicht in den Schacht und maßen wie beim IBM Thinkpad indirekt, diesmal aber an der ActionTec-Modemkarte. Im Zweifel sind die tatsächlichen Betriebstemperaturen im CardBus-Schacht der beiden Geräte also höher einzuschätzen als in der Tabelle angegeben.

Die Messung des Lärmpegels erfolgte mit einem ELV 8921 bei Messcharakteristik C in Kopfhöhe eines normalen Benutzers: 25 cm vor der Gerätevorderkante in einer Höhe von 35 cm. In der Tabelle werden jeweils die Spitzenwerte im Volllast-Betrieb ohne und mit Tätigkeit des CD/DVD-Laufwerks aufgelistet.

Als Erweiterungen für CardBus stand uns eine Auswahl von PCMCIA- und CardBus-Karten der Firmen 3Com und AVM zur Verfügung, die wir noch um eine ActionTec-Modemkarte und eine Calluna-Festplatte vom Typ III mit 130 MByte ergänzten. Für den Test des Infrarot-Ports stellte uns Nokia das neu erschienene 6210 mit voll integriertem Modem zur Verfügung, dazu gesellte sich noch ein Siemens S25, ebenfalls aus eigenem Bestand. Über die Einbindung von CardBus-Karten und die zu erwartenden Probleme sowie die Nutzung von mobilen Internet-Zugängen wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt berichten.

Das Feld der Notebook-Erweiterungen: Mit dem Nokia 6210 und dem Siemens S25 testeten wir den Infrarot-Port und mobiles Internet. Bei der schwarzen Karte links unten handelt es sich um die Calluna PCMCIA-Festplatte vom Typ III.

In
diesem Artikel:

 

Acer Travelmate

Acer/acer.html

Compaq Armada

Compaq/compaq.html

Fujitsu-Siemens Lifebook E-6560

Fujitsu/fujitsu.html

HP OmniBook XE3

HP/hp.html

IBM ThinkPad i1200

IBM/ibm.html

Sony Vaio PCG-Z600 TEK

Sony/Sony.html

Toshiba Tecra 8100 und Satellite Pro 4300

Toshiba/toshiba.html

Wortmann Terra-Aura A74 LD

Wortmann/wortmann.html

Alle Notebooks auf einen Blick

Tabelle/tabelle.html

Infos

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