Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2001
702

Benchmarks

Natürlich musste die SGI im Labor ihre Sprinterqualitäten anhand von Benchmarks unter Beweis stellen. Einen guten Grobeindruck vermittelt bekanntlich die Zeit, die ein System zum Kompilieren eines Standard-2.2.0-Kernels benötigt. Hierbei kommen auch mehrere Prozessoren zum Zuge, da der Vorgang multi-threaded abläuft. Der Testkandidat, ein Dual PIII-System, macht dabei mit 70 Sekunden Compile-Dauer eine ausgesprochen gute Figur. Ein Athlon 800 MhHz benötigt rund 140s und ein (Highend-iges) 8-fach Xeon-System mit 700 MHz braucht dazu 20 Sekunden. Da Silicon Graphics das Gerät als Workstation für grafiklastige Applikationen positioniert, griffen die Mitarbeiter des Testlabors auf die Benchmark-Suite des Linux-Magazins 11/2000 zurück. Das erlaubt auch den direkten Vergleich mit den damals gemessenen Ergebnissen des dort verwendeten Testsystems (Athlon Thunderbird 800 MHz, Asus-Board A7V, 256 Mbyte RAM). Die SGI-Maschine kann mit ihrer VR3-Karte beim SPECviewperf-Benchmark gegenüber dem Athlon- System deutlich auftrumpfen (siehe Tabellen 2 und 3). Beim Benchmark Q3A demo001 dreht dann der Wind: Das billige Athlon Thunderbird-System macht der VR3-Karte (mit Nvidia Quadro-Chip) mehr Beine als es die SGI vermag. Selbst wenn man das Spiel mit einer deutlich preisgünstigeren Nvidia GTS2-basierten Karte (Elsa Gladiac) wiederholt, ist der gleiche Effekt messbar (siehe Tabelle 1). Und das interessanterweise auf gleichem Niveau - zum Spielen ist die SGI 330 aber ohnehin zu schade. Zwei Ursachen sind im Zuge der Ergebnisinterpretation zu nennen: Erstens benutzen die 3D-Benchmarks ungethreadete Applikationen, die zweite CPU bringt somit keinerlei Leistungszuwachs. Zweitens hat SGI möglicherweise die falsche Prozessorwahl getroffen - zumindest für Multimedia-Programme im Single-CPU- Betrieb.

Tabelle1: Quake3Arena (demo001) [FPS]

 

 

SGI330

 

Athlon

 

SGI VR3 (Propack 1.3-VWE)

Elsa Gladiac (Nvidia-0.95)

SGI VR3 (Nvidia-0.95)

ELsa Gladiac (Nvidia-0.95)

 

Top Speed

131,6

128,5

147,9

147,8

512 x 384

98,5

93,0

109,2

109,3

640 x 480

98,3

89,3

107,2

108,1

800 x 600

88,4

82,7

93,0

102,2

1024 x 768

60,7

55,9

60,7

65,0

1280 x 1024

37,0

36,9

36,6

39,5

Tabelle
2: Viewperf 6.1.1 [FPS]

 

 

SGI330

 

Athlon

 

SGI VR3 (Propack 1.3-VWE)

Elsa Gladiac (Nvidia-0.95)

SGI VR3 (Nvidia-0.95)

ELsa Gladiac (Nvidia-0.95)

AWadvs-03

72,2

37,2

79,2

69,7

DRV-06

24,5

18,7

26,8

25,1

DX-05

35,5

21,7

41,3

37,6

Light-03

3,6

1,9

3,9

3,3

ProCDRS-02

33,3

8,4

40,5

17,1

Tabelle
3: SPECviewperf 6.1.2 [FPS]

 

 

SGI330

Athlon/VR3

Athlon/Gladiac

AWadvs-04

36,0

53,7

36,2

DRV-07

8,0

12,3

10,8

DX-06

8,0

13,2

12,2

Light-04

2,0

3,9

3,2

MedMCAD-01

12,7

21,3

10,4

ProCDRS-03

11,0

19,0

9,4

Fazit

Ein SGI 330-Käufer kann sich primär an der Geschwindigkeit dieses besonderen Stücks Hardware erfreuen. Für leuchtende Augen unter den Entwicklern sorgt der zweite Prozessor: Mit geeigneten Anwendungen legt der SGI 330 nochmals an Geschwindigkeit zu, reagiert vor allem schneller auf Benutzereingaben. Die sinnvolle Belegung der Windows-Tasten im Konsolen-Modus von Linux und der Iris Performer verstärken den positiven Grundeindruck. In der Summe ist der Rechner zudem stabil, doch lassen sich beim Konsolenwechsel unschöne Systemabstürze provozieren. Zum echten Faux pas für den Testeindruck wuchsen sich die von SGI sicher gut gemeinten ein GByte Hauptspeicher in Kombination mit dem Grafik-Chip aus. ( jk)

Listing 1:
Windows-Tastenbelegung

KEYMAP=/usr/lib/kbd/keymaps/i386/qwertz/de-latin1.kmap.gz
gunzip $KEYMAP
cat > $KEYMAP << EOF
keycode 125 = Decr_Console  # Linke Windows-Taste
keycode 126 = Incr_Console  # Rechte Windows-Taste
keycode 127 = Last_Console  # Menü-Taste

Tabelle
4: Silicon Graphics 330L auf einen Blick

 

Prozessor

 

Hersteller

Intel

Anzahl x Typ

2 x Intel

Takt/L2-Cache

800 MHz, 256 KB

Mainboard

 

Hersteller

OEM

North Bridge

VIA VT82C691 (Apollo Pro133A)

South Bridge

VIA VT82C686 (Apollo Super)

AGP-Slot

1 (AGP-Pro)

PCI-Slots

5

ISA-Slots

DIMM-Slots

3 (max 512 MB/Slot)

Lagacy

2 x PS/2, 2 x Serial, 1 Parallel

USB-Anschlüsse

2

Grafikkarte

 

Hersteller

SGI

Chip

Nvidia GeForce 256 GL Quadro (NV10)

Speicher

64 MB DDR

Ausgänge

VGA/S-VHS/Digital

Hauptspeicher

1024 MB ECC SDRAM PC133 (256/256/512)

SCSI-Controller

2 x Ultra160, Adaptec AIC7899 (onboard)

Festplatte

18,2 GByte, Seagate 318436LW (7200RPM)

CD-ROM

48x, ATAPI

Netzwerk

10/100Base-T/s, Intel 82559 (onboard)

Sound

VIA Apollo Super AC97 (onboard)

Gehäuse

 

Type, H/B/T [mm]

Tower, 490/210/490

Drive Bays (ext)

3 x 5,25" (eines von CD ROM belegt)

Drive Bays (int)

3 x 3,5" (eines von HDD belegt)

Gewicht

ca. 15 Kg

Software

 

Distribution

RedHat 6.2

Addons

SGI ProPack for Linux 1.3 Visual Workstation Edition (OpenGL
1.2)

Software-Support

90 Tage

Hardware-Garantie

3 Jahre (1 Jahr Vor-Ort)

Preis

19 401,-

Infos

SGI ProPack 1.3: ftp://oss.sgi.com/projects/sgilinuxcombined/download/sgipropack1.3/latest/RPMS/

Aus dem
Testlabor

Das Demogerät für unseren Test, eine SGI 330L, erreichte uns ohne "L". In der Konsequenz: keine Software - von einem unvollständigen Windows 2000 mal abgesehen. Im normalen Lieferumfang eigentlich immer enthalten ist die schicke Tastatur im typisch ausgefallenen SGI-Design sowie die passende Maus mit ihrem angenehmen Zwei-Meter- Kabel.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

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